Wer hat sich noch nicht gewundert, über das „GRÜSS GÖTTIN“-Schild, das die gen Süden bzw. Westen fahrenden Autobahn-Reisenden bei Kufstein begrüßt? 2009 wurde das von Ursula Beiler gestaltete Schild just am Hochunserfrauentag installiert. Im Rahmen der „Kunst im öffentlichen Raum“ mit öffentlichen Geldern finanziert und im Einvernehmen mit der Asfinag installiert. Wohl kaum eine/r ist völlig emotionsfrei daran vorbei gekommen und wie viele haben sich die Frage gestellt: Was für ein Land bereise ich da?
Ein katholisches? Ein freundliches? Ein religiös konservatives? Ein weltoffenes? Ein Anders- bzw. Nichtgläubige ausgrenzendes? Ein feministisches? Ein provozierendes? Ein künstlerisches? Ein Gottes-lästerndes?
Das Schild steht dort ohne Fußnote und ohne Disclaimer. Der/die Reisende, jede/r ganz für sich persönlich, ist eingeladen, darüber zu sinnieren. Wem es nicht schon vorher eingefallen war, spätestens als Vandalen das „IN“ übersprühten, um der Gottheit wieder maskuline Würden zukommen zu lassen (siehe Bild), wurde eines klar: Dies ist ein kontroverses Land. Nur Insider, nicht die Reisenden, vermögen die bis tief in die Nord/Osttiroler Parteienlandschaft ziehende Kontroverse erahnen, sodass sich gar katholische Presse zu neutraler Berichterstattung gemüßigt sah.
Wer denn nun weiter südwärts reist und am Brenner womöglich „Südtirol ist nicht Italien“ oder „Alto Adige è Italia“ zu lesen bekommt, der/die wird sich wiederum wundern und zwar im erzwungenen Bewusstsein, wieder ein sehr kontroverses Land zu bereisen. „Provincia Autonoma di Bolzano/Autonome Provinz Bozen“-Schilder zeugen selbstbewusst von Autonomie und Zweisprachigkeit und ein kleines, unscheinbares, dafür mit noch mehr öffentlichen Geldern entworfenes SMG-Schild rückt mit einem noch unscheinbareren „Bëgnodü“ die dreisprachige Realität wieder zu Recht. Willkommen im warmherzigen und gastfreundlichen Südtirol.
Am Reiseziel angekommen, wird so vielleicht manche/r Reisende/r noch einmal die hastig vorbeifliegenden Reiseeindrücke Revue passieren lassen, sich an die beiden kontroversen Länder beidseitig des Brenners besinnen und vielleicht ein Land als kontrovers-modern und eines als kontrovers-verbohrt oder kontrovers-reaktionär, kontrovers-rückwärtsgewandt einordnen. Vielleicht. Vielleicht zu Recht.
Seit 2009 steht das „GRÜSS GÖTTIN“-Schild jetzt schon bei Kufstein, mittlerweile natürlich wieder in vollem Glanz. Für fünf Jahre sollte es dort bleiben. So ist es jetzt wohl Zeit, sich Gedanken über das Nachfolgeprojekt zu machen. Ob es denn die drei Marketingagenturen der Euregio diesmal schaffen, willkommen heißende Visitenkarten moderner, euregionaler Gemeinsamkeit zu installieren, oder ob wie gehabt die Wettrüstung gegenseitiger Abgrenzung mit dreifachem Kostenaufwand so weiter geht? Erdrückende Symbolik…
Ach wisst ihr, wenn ich denn schon stolz drauf sein soll, ein Tiroler zu sein, dann gebt mir doch bitte die NORDTIROLERIN!
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Benno
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